1973 / 2013 – 40 Jahre Wounded Knee

Am 27.2.1973 besetzten Mitglieder des American Indian Movement (AIM) den Ort Wounded Knee auf der Pine Ridge Indian Reservation in South Dakota und verbarrikadierten sich in der dortigen Kirche. Mit dieser Aktion wollten sie auf die Missstände in Pine Ridge aufmerksam machen. Gleichzeitig über- reichten traditionelle Häuptlinge der Sioux-Indianer bei der UNO einen Protest wegen der Unterdrückung ihres Volkes. Auch fanden Demonstratio- nen seitens der Indigenen vor dem UNO-Gebäude statt.

Der von der US-Regierung protegierte und unterstützte Stammesrats- vorsitzende Dick Wilson sollte abgesetzt werden, war er doch der Korruption und Vetternwirtschaft verantwortlich und wurde darüber hinaus beschuldigt, Gelder, die für die Bewohner der Reservation bestimmt waren, unterschlagen zu haben.

Statt diesen Forderungen nachzugehen, beauftragte die US-Regierung das FBI, die Sache zu regeln. Ausgestattet mit Panzerfahrzeugen umstellte das FBI die besetzte Kirche und versuchte, die Indianer auszuhungern. Nur unter Mithilfe und lebensgefährlichen Aktionen vieler Bewohner der Reservation konnten die Aufständischen mit Lebensmitteln versorgt werden. Diese Aktion erregte – nicht zuletzt durch gute Medienarbeit von AIM – weltweite Aufmerksamkeit und führte dazu, dass die vorgesehene Erstürmung der Kirche durch das FBI nicht zum Tragen kam. Trotzdem kam es zu mehreren Schusswechseln, in deren Verlauf zwei Besetzer erschossen wurden.

Im Verlaufe der Besetzung wurden seitens AIM Verhandlungen mit dem Generalbundesanwalt der USA u.a. mit dem Ziel geführt, die zwischen den USA und den zu früheren Zeiten als souverän anerkannten Indianervölkern abgeschlossenen 371 Verträge einzuhalten und die (auch gerichtlich als nach wie vor gültig bestätigten) Abmachungen anzuerkennen und umzusetzen. Nachdem die Verhandlungen scheiterten, änderten FBI und Nationalgarde ihre Taktik. Vor allem in den Nachtstunden wurden durch laute Geräusche und Beschuss die Besetzer psychischem Druck ausgesetzt. Dadurch waren sie letztendlich gezwungen, die Besetzung am 8. Mai 1973 nach 71 Tagen zu beenden.
Nach dem Ende der Besetzung wurden viele AIM-Mitglieder und andere Besetzer angeklagt und vielfach zu Haftstrafen verurteilt. Viel Aufmerk- samkeit erlangten die Verfahren auch durch die Tatsache, dass der bekannte Schauspieler Marlon Brando seine Sympathie für die Forderungen der Indianer öffentlichkeitswirksam zum Ausdruck brachte und den Oscar für seine Rolle in „Der Pate“ ablehnte

Auch heute noch warten die Ureinwohner Nordamerikas auf die Anerkennung der mit ihnen geschlossenen Verträge durch die USA. Sicherlich gab es in der jüngeren Vergangenheit einige Verbesserungen, aber nach wie vor stehen die Indianerreservationen unter „besonderem Schutz“ Washingtons.