Havasupai – Uranabbau am Grand Canyon

In den Vereinigten Staaten ist der Abbau von Bodenschätzen aufgrund eines Gesetzes aus dem Jahre 1872 besonders einfach. Nach dem „General Mining Law“, welches eigentlich für Goldgräber gedacht war, kann jeder öffentliches Land beanspruchen, wenn es dort nachweisbar abbaubare Vorkommen an Bodenschätzen gibt. Experten gehen davon aus, dass im Gebiet des Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona ungefähr 1.500 t Uran vorhanden sind, die auch abgebaut werden sollen. Bei den geplanten Minen handelt es sich zwar um kleinere Anlagen, allerdings haben die dortigen Erzvorkommen einen sehr hohen Anteil an Uran (bis zu 10 mal höher als normalerweise).

Auch die Havasupai-Indianer sind von diesem Uranabbau betroffen. Ihre Reservation liegt in einem Seitenarm des Grand Canyon. Die meisten der rund 650 Bewohner leben in dem kleinen Ort Supai. Seit seiner Gründung ist das Dorf lediglich zu Fuß oder mit Maultieren zu erreichen. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert. Lediglich bei besonderen Transporten setzt man heutzutage einen Hubschrauber ein.

Die Havasupai-Reservation. Foto: K.-H. Prestel

1984 begann die EFN (Energy Fuels Nuclear) mit der Planung der sogenannten Canyon Mine. Die Genehmigung dafür hatte die Firma bereits 1978 vom National Forest Service erhalten. Gelegen im Kaibab National Forest – rund 10 km südlich des Grand Canyon National Parks - befindet sich diese Anlage im unmittelbaren Quellgebiet des Havasu Creeks, welcher die Reservation der Havasupai mit Wasser versorgt.

Das umzäunte Gebiet der Mine liegt zudem auf heiligem Gebiet der Indianer. Allerdings gehört diese Gegend um die für die Havasupai spirituell wichtigen Red Butte nicht zu dem Territorium, welches ihnen durch den Grand Canyon Enlagement Act 1975 zugesprochen worden ist. Somit konnte der National Forest Service dem Unternehmen EFN die Erlaubnis erteilen, dort Uran abzubauen.

Red Butte. Foto: K.-H. Prestel

Seit die Havasupai 1984 von den Plänen zum Abbau des Uranerzes erfahren hatten, wehren sie sich dagegen. Damals kamen Vertreter von EFN zu den Indianern und wollten sie durch Geld-zahlungen dazu bringen, ihren Widerstand gegen die Canyon Mine aufzugeben. Wegen der spirituellen Bedeutung des Red Butte lehnten sie das Angebot des Unternehmens ab.

Die Erlaubnis zum Betrieb der Mine wurde 1986 erteilt und ist seither Gegenstand von zahlreichen Protesten und Gerichtsverfahren seitens der Havasupai und weiterer Umweltschutzorganisationen.
Die Bauarbeiten an der Förderanlage begannen bereits Anfang der 1990er Jahre. Allerdings führte der Einbruch des Uranpreises zur Einstellung der Arbeiten im Jahre 1992, noch bevor der eigentliche Uranabbau beginnen konnte. Allerdings haben die Probebohrungen führten zur Verunreinigung des Grundwassers und der Quellen im Umfeld der Mine.
Eine Untersuchung der US-Landvermessungsbehörde im Jahre 2010 hatte ergeben, dass die aus dem Grundwasser in der Nähe der Uranmine entnommenen Proben die zulässigen Werte an Uran im Trinkwasser weit überschritten waren.

Canyon Mine. Foto: K.-H. Prestel

Die Canyon Mine war 1997 von den Firmen Denison Mines und Energy Fuels Resources erworben worden und wurde 2012 wieder in Betrieb genommen. Daraufhin hatten die Havasupai und mehrere Umweltschutzgruppen Anfang März 2013 die US-Forstverwaltung verklagt. Sie hatten angeführt an, dass die Genehmigung zum Betrieb der Mine ohne die vorgeschriebene Anhörung der betroffenen Indianer erfolgt war.

Nach Ansicht der Kläger werden durch den Weiterbetrieb Bestimmungen des Umweltschutzes und des Schutzes historischer Stätten verletzt. Die Mine befindet sich innerhalb des Red Butte Traditional Cultural Property, welches im Jahre 2010 durch den National Forest Service wegen ihrer wichtigen historischen und kulturellen Bedeutung festgelegt worden war und unterliegt somit einem besonderen Schutz.

Nach dem Gesetz zum Schutz historischer Stätten sind die betroffenen Ureinwohner vor der Entscheidung zu konsultieren, damit festgestellt werden kann inwieweit die jeweiligen Minenaktivitäten die geschützten Stätten beeinträchtigen könnten und wenn ja, durch welche Maßnahmen diese Beeinträchtigungen dann vermieden werden könnten. Weiterhin fällt die Mine unter den Widerruf von Abbauaktivitäten durch Präsident Obama aus dem Jahre 2012. Dadurch soll der Wasserhaushalt des Grand Canyon vor neuen Beeinträchtigungen durch den Uranabbau geschützt werden. Dieser Widerruf verbietet die Vergabe von neuen Abbau-rechten und die künftige Nutzung bereits erteilter Genehmigungen.