Der Fall Leonard Peltier

Leonard Peltier Foto: J.Scott/Impact Visuals

Leonard Peltier, geboren am 12. September 1944 in Grand Forks, North Dakota, USA, ist Anishinabe und Dakota-Indianer. Er gehörte der Indianer-Bürgerrechtsbewegung American Indian Movement (AIM) an. Als im Juni 1975 auf der Pine Ridge Reservation in South ­Dakota zwei FBI-Agenten und ein junger Indianer bei ­einer Schießerei ums Leben kamen, wurde er beschuldigt, der Täter zu sein. Man brauchte einen Sündenbock und ein Mitglied der Bürgerrechtsbewegung AIM, die sowieso auf der schwarzen Liste des FBI stand, war dafür bestens geeignet.

Zunächst konnte Peltier nach Kanada fliehen, wurde dort festgenommen und im Frühjahr 1976 an die USA ausgeliefert. Der Auslieferungsantrag basierte wesentlich auf Aussagen von Myrthe Poor Bear, einer Bewohnerin der Pine Ridge Reservation. Später stellte sich allerdings heraus, dass sie vom FBI massiv unter Druck gesetzt worden war, dass man ihr gedroht hatte und ihre Aussagen auf diese Weise zustande kamen. Sie hatte sich zum Zeitpunkt der Tat gar nicht auf der Reservation befunden.

Zurückgehaltene Beweise, falsche Zeugenaussagen sowie Verstöße gegen ein gerechtes Gerichtsverfahren führten schließlich 1977 zu Peltiers Verurteilung zu einer Haftstrafe von zweimal lebenslänglich. Diese Verurteilung stand im engen Zusammenhang mit dem Versuch der US-Regierung, den gewachsenen Widerstand der indianischen Bewegung zu brechen und insbesondere AIM durch Einschüchterung zu zerschlagen.

Trotz offiziell eingestandener Verfahrensfehler und obwohl die US-Behörden inzwischen zugeben, dass sie nicht wissen, wer vor mehr als 30 Jahren die tödlichen Schüsse abgegeben hatte, sind alle Versuche der Anwälte Peltiers, ein neues Verfahren zu erwirken, bislang gescheitert.
Angesichts seiner langen Haftzeit und der allseits festgestellten guten Führung hätte er ohnehin schon lange vorzeitig auf Bewährung entlassen werden müssen. Die zuständige Kommission besteht als Voraussetzung dafür aber auf einem Schuldeingeständnis seitens Peltiers. Der Rechtsweg ist ausgeschöpft, die letzte Hoffnung für ihn ist daher die Begnadigung durch Präsident Obama.

Neben Menschenrechtsorganisationen und Institutionen wie dem Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights, dem Kennedy Memorial Center for Human Rights, dem europäischen Parlament, fordern Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Rigoberta Menchú, der Dalai Lama und Desmond Tutu seine Freilassung.

Mitte Dezember 2012 organisierten Harry Belafonte und Pete Seeger in New York ein Benefizkonzert für Leonard Peltier. Zahlreiche Berühmtheiten wie die Musiker Jackson Browne und Bruce Cockburn, Filmemacher Michael Moore, Schauspieler Peter Coyote und der bekannte Boxer Rubin „Hurricane“ Carter (er selbst saß 20 Jahre unschuldig im Gefängnis). Ziel der Veranstaltung war es, Präsident Obama zu bewegen, Leonard Peltier zu begnadigen.

Im Jahr 2014 erklärte ein ebenfalls sehr prominenter US-Amerikaner, Robert Redford, Schauspieler und Regisseur, auf CBC News, dass er sich erneut mit aller Kraft für eine Begnadigung Peltiers einsetzen werde.

Anlässlich des 71. Geburtstages von Leonard Peltier am 12. September 2015 wurde im Sommer 2015 erneut eine Unterschriftensammlung für die Freilassung Peltiers gestartet. Eindringlich wird US-Präsident Obama aufgefordert, endlich die längst fällige Begnadigung Peltiers zu veranlassen.