Kein Kupferabbau am Oak Flat

Apachen wehren sich gegen Landraub

Seit Ende 2014 protestieren Angehörige der San Carlos-Apache – sie leben im Südwesten der USA in Arizona – gegen die Öffnung eines Naturschutzgebietes für den Kupferbergbau und damit gegen den Verkauf und die Zerstörung eines Gebietes, das den Apache als heilig gilt.

Worum geht es? Die Bergbau-Gesellschaft „Resolution Copper LLC“ möchte eines der größten Kupfervorkommen der USA bzw. der Welt abbauen. Und das liegt in einem Gebiet des Tonto National Forest, das als Oak Flat bezeichnet wird.

Teile des Tonto National Forest – welcher seit 1905 ­besteht und mit seinem Namen an die ursprünglich hier lebenden Tonto-Apache erinnert – wurden 1955 für den Bergbau gesperrt, insbesondere um die Wasservorräte in der Region und die Artenvielfalt zu schützen. Oak Flat ist für die Apachen, die 1870 von hier vertrieben wurden und schließlich in die San Carlos Reservation ziehen mussten, heiliges Land. Hier sammeln sie Heilpflanzen und führen traditionelle Zeremonien durch. Aktivisten vergleichen die religiöse Bedeutung des Oak Flat für die Apache mit der des Berges Sinai für die Christen.

Unweit des geplanten Standortes für die Kupfermine befindet sich zudem der „Apache Leap“, eine Felskante des Oak Flat-Plateaus, von der sich in den 1870er Jahren 75 Apache-Krieger lieber in den Tod stürzten, als in Gefangenschaft der US-Armee zu geraten.

Schon seit langem wecken die hier lagernden Kupfervorkommen die Begehrlichkeiten von Berbau-Unternehmen, Abbau-Lizenzen für das Gebiet zu erhalten. Nun hat es also „geklappt“. Und das mal wieder, obwohl die Apache und weitere indigene Nationen der Region seit den ersten – allerdings vergeblichen – diesbezüglichen Versuchen von Resolution Copper 2005 und 2011 gegen die geplante Zerstörung ihres heiligen Landes protestierten. Der Stammesratsvorsitzende der San Carlos Apache, Terry Rambler, reiste im November 2014 an der Spitze einer Delegation nach Washington, um den Energieausschuss des Senats zu überzeugen, die Pläne für die Resolution Kupfermine abzulehnen.

Oak Flat – für die ­Apache heiliges Land und bis vor kurzem eine geschützte Region des Tonto National Forest – soll nun der Rohstoffgier von Bergbau-Konzernen zum Opfer fallen. Foto: Lee Allan, Indian Country Today

Doch erst kurz vor der Abstimmung im US-Kongress am 13. Dezember 2014 wurde klar, dass der „Arizona Land Exchange“ im NDAA (National Defense Authorization Act), einem umfangreichen Gesetzespaket zur Festlegung des Verteidigungsbudgets 2015, als Zusatzklausel „eingebaut“ war. Inhalt dieser Zusatzklausel: öffentliches Land, welches bisher dem Tonto Forest Service unterstellt war, wird im Tausch gegen „Privatland“ dem Bergbauunternehmen Resolution Copper übereignet, damit dieses seine Abbaupläne verwirklichen kann. Verantwortlich für diesen Schachzug waren zwei Senatoren aus Arizona, einer davon der ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain, der meint, dass es im nationalen Interesse liegt, das steigende Verlangen der USA an Kupfer durch Abbau im eigenen Land zu befriedigen.

Wie schon so oft, wurde wieder einmal eine für die Indigenen brisante gesetzliche Entscheidung als „Kleingedrucktes“ versteckt in einem umfangreichen „wichtigeren“ Gesetzeswerk durch den Senat gebracht, ohne dass den meisten, die zu entscheiden hatten, der genaue Inhalt dieses „Klein­gedruckten“ bewusst wurde. Und natürlich hat man die, deren Land man tauschen bzw. verkaufen will, nicht informiert, geschweige denn vorher konsultiert.

Dabei warnen auch Wissenschaftler vor den Auswirkungen des geplanten Abbau-Projektes. Denn Resolution Copper LLC will das sogenannte „Block Cave“-Verfahren anwenden. Anders als im Tagebau werden hierbei aus dem Erdinneren (unter der Oberfläche) ganze Blöcke von Erdreich herausgeholt, was zu Erosionen und Einbrüchen des Bodens führen kann. Auch eine Verseuchung des Grundwassers durch Abbauchemikalien kann die Folge sein.

Der Protest der Apache umfasst vielfältige Formen: 2015 starteten sie eine Petition auf der Plattform des Kampagnennetzwerks Avaaz - gerichtet an die Abgeordneten des US-Kongresses und die Innenministerin der US-Regierung. Im Juli desselben Jahres unternahmen rund 100 Aktivisten der Apache aus Arizona eine mehr als zweiwöchigen Reise quer durch den Kontinent nach Washington. Initiator war „Apache Stronghold“, eine Widerstandsorganisation, deren Sprecher Wendsler Nosie, ein guter Bekannter unseres Vereins, ist. Diese Aktion sollte die Aufmerksamkeit der amerikanischen Bürger darauf lenken, so Nosie, dass der Raub indianischen Landes auch heute noch weitergehe und die Verantwortlichen dafür im US-Kongress sitzen. Außerdem müsse jedem US-Bürger klar werden, dass die Verfahrensweise, mit der man den „Arizona Land Exchange“ durch den Kongreß gebracht habe, Bundesrecht aushebelt. Denn Oak Flat ist Bundesland, über dessen Verwendung mitzubestimmen das Recht jedes US-Bürgers ist.

Im Juli 2015 protestierten die Apache aus San Carlos gemeinsam mit hunderten Unterstützern vor dem Capitol in Washington gegen den Verkauf ihres heiligen Landes am Oak Flat. Foto: Mark Charles

Die Apache-Aktivisten erhielten auf ihrem Weg und in Washington viel Aufmerksamkeit. Ihre Aktion sollte auch eine Gesetzesinitiative des Kongreßabgeordneten Raul Grijalva unterstützen – dieser will gemeinsam mit anderen Abgeordneten die Rückabwicklung dieses „Landtauschs“ erreichen. Prominente Unterstützung erhält er dabei vom US-Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders.

Inzwischen geht der Widerstand der Apache-Aktivisten bereits ins dritte Jahr. Er ist ungebrochen, obwohl es unter den Apachen auch Stimmen gibt, die die Bedeutung von Oak als heilige Stätte anzweifeln.

Im Februar 2017 organisierte „Apache Stronghold“ bereits den dritten Protestmarsch gegen die geplanten Kupfermine. Ca. 100 Apache und Mitstreiter liefen an zwei Tagen die ca. 60 km von San Carlos zum Oak Flat-Gebiet und ließen sich auch von kaltem, regnerischem Wetter nicht entmutigen, ihren Widerstand fortzusetzen.

Quellen: Coyote, Nr. 104; Junge Welt v. 25.07.2015; www.apache-stronghold.com; Navajo Hopi Observer