Der lange Weg zur Anerkennung

James Fenimore Cooper ließ die Mohegans aussterben in seinem berühmten Roman „Der letzte Mohikaner“. Doch diese Geschichte entstammte nur der Phantasie des Autors. Er siedelte sie im Hudson-Tal, der Heimat der Mahican, an und „borgte“ sich bei den Mohegan deren berühmten Häuptling Uncas aus. Doch beide Stämme hatten nichts gemeinsam außer ähnlich klingende Namen. Die Heimat der Mohegans, was übersetzt nichts anderes als „Wolf“ heißt, ist das südöstliche Connecticut, wohin sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Teil der Pequots zogen. Meinungsverschiedenheiten darüber, ob man lieber mit den Holländern oder den Engländern Handel treiben sollte, führten dazu, daß sich der Stamm in zwei rivalisierende Gruppen, die Pequots und die Mohegans, teilte. Die Rivalität ging soweit, daß die Mohegans unter ihrem Häuptling Uncas 1637 zusammen mit den Engländern ein Massaker unter ihren früheren Verwandten, den Pequots, begingen. Auch später kämpften sie auf der Seite ihrer englischen Verbündeten gegen andere indianische Stämme in Neuengland. Doch obwohl die Mohegan mit den Engländern befreundet waren, ihre Sprache annahmen, sich wie sie kleideten und auch zum Christentum konvertierten, nahm ihre Anzahl und die Größe ihres Landes immer weiter ab. Als Ben Uncas, der letzte Sachem, 1769 starb, lebten noch 600 Mohegans auf den ihnen verbliebenen 16 qkm am Thames-River. Ein Teil von ihnen verließ Connecticut westwärts, ihre Nachfahren leben heute in der Stockbridge Reservation in Wisconsin. Als es den verbliebenen 200 Mohegan leid wurde, sich ihr Leben vom Büro für indianische Angelegenheiten (BIA) vorschreiben zu lassen, lösten sie 1861 ihre Reservation auf, nahmen sich Landparzellen und ließen sich in der Gegend nieder.

Schild in Monteville/Connecticut

Noch heute wird in Monteville, welches auf der alten Reservation entstand, an den bekanntesten Häuptling der Mohegans
und seine Loyalität gegenüber den Engländern erinnert

In den 70er Jahren dieses Jahrhunderts reorganisierte sich der Stamm wieder und wurde später auch vom Staat Connecticut als solcher anerkannt. Doch das BIA muß wohl mehr der eingangs erwähnten Geschichte von Cooper geglaubt haben, denn der Kampf der Mohegans um bundesstaatliche Anerkennung dauerte mehr als 15 Jahre, bevor ihnen diese erteilt wurde.

Der erste Stamm, der in Connecticut vom BIA anerkannt wurde, waren 1983 die Mashantucket Pequots. Doch während es für sie vergleichsweise leicht war, die Anerkennung als Indianerstamm und damit bundesstaatliche Fördermittel sowie die Autonomie über ihr Reservationsland zu erhalten, hatten sich die Kriterien seitdem verschärft. Der Grund dafür war das von den Pequots errichtete Foxwood Casino, das sie über Nacht zu einer Wirtschaftsmacht in Connecticut werden ließ. Die Weißen und mit ihnen die Mitglieder des BIA standen dem Bau von Casinos skeptisch gegenüber. Gleichzeitig sah sich der Staat Connecticut plötzlich berechtigten Landforderungen der Indianer gegenüber.

Daraufhin wurden Kriterien verschärft, die eine Anerkennung voraussetzten. Die Stämme mußten nachweisen, das sie seit historischer Zeit bis heute als solche identifizierbar waren. Weiterhin muß die Mohegans sowie andere Stämme nachweisen, daß sie eine ethnische Einheit und Gemeinschaft bilden und daß sie über eine Verwaltung bzw. Regierung verfügen. Mit Beginn der 80er Jahre begannen die Mohegan, deren Mehrheit damals kein Interesse an einer bundesstaatlichen Anerkennung hatte, mit dem Zusammentragen des Beweismaterials. In Archiven und bei indianischen Familien fanden Historiker, Archäologen und die Anwälte der Mohegan Urkunden, Handwerkskunst, Familiengeschichten, Briefe und Berichte über politische und soziale Aktivitäten, wie das jährliche Wigwamfest, welche dem BIA übergeben wurden. Dieses befand aber 1989, daß die Mohegans nur ungenügende Beweise für das Weiterbestehen des Stammes in den 40er bis 60er Jahren dieses Jahrhunderts erbracht haben.

Die Suche begann erneut, diesmal sammelten die Mohegan Briefe, Fotos und Kunstgegenstände aus dem geforderten Zeitraum, um die politische und soziale Existenz des Stammes auch in dieser Zeit zu beweisen. Die Suche wurde noch forciert. Weitere Dokumente wurden gesichtet, im Register der Mohegan Kirche, die als einzige Landbasis bis in die heutige Zeit im Stammesbesitz blieb, wurde gelesen und in alten Ausgaben der Lokalzeitungen. Sogar ältere weiße Bewohner der Gemeinde wurden befragt. Am 7. März 1994 war es dann soweit: Die Mohegan wurden wieder als Indianerstamm anerkannt.

Stammesmuseum der Mohegan
Die Basis des Stammes ist das kleine Museum hinter dem Haus der Tantaquidgeon-Familie auf dem Mohegan-Berg in Monteville.

Die meiste Zeit in diesem Jahrhundert behütete die 97jährige Medizinfrau des Stammes Gladys Tantaquidgeon und ihre Familie das flakkernde Flämmchen der „Wolfsmenschen“. Die Basis des Stammes ist ein kleines Museum in einem Steinhaus hinter dem Haus der Tantaquidgeon-Familie auf dem Moheganberg in Montville. Das Gebäude, welches 1931 gebaut wurde, ist so etwas wie der Mohegan-Schrein gefüllt mit Wampun-Bändern, alten Äxten, handgemachten Körben und perlengeschmückten Zeremonienhemden war es auch erster Anlaufpunkt für die Beamten des BIA. Die Ironie des Schicksals wollte es, daß erst ein befreundeter Anthropologe die Familie Tantaquidgeon dazu ermutigte, mehr über ihr Volk und seine Sitten zu lernen. Die Familie, welche sich in der Zwischenzeit Quidgeon genannt hatte, nahm wieder den alten Stammesnamen an und begann aktiv altes Kunsthandwerk und Informationen über ihren Stamm zu sammeln. In den späten 40ern kehrte Gladys Tantaquidgeon auf den Mohegan-Hill zurück und wurde dort Verwalterin des „Tantaquidgeon Indianer Museums“. Im Laufe der Jahre hieß die kleine Frau tausende Besucher und mehrere Anthropologen in dem steinernen Museum willkommen.

Im Inneren des Museums
Das Museum ist sowas wie der Mohegan-Schrein, gefüllt mit Wampun-Bändern, alten Äxten, handgemachten Körben und perlengeschmückten Zeremonienhemden (rechts im Foto: Gladys Tantaquidgeon)

Für die Zukunft haben die Mohegans große Pläne. Die wirtschaftliche Basis für den Stamm wird das auf dem Gelände einer ehemaligen Nuklearfirma errichtete Mohegan Sun Casino sein. Im Gegenzug dazu gaben sie ihre Rechtsansprüche über 83 qkm Land (entsprach der Reservation laut Vertrag von 1671) auf. Die Landbasis der Mohegan wird der Fort Shantok State Park sein. An dieser Stelle, von wo aus man den Thames-River bei Montville überblicken kann, stand in der Mitte des 17. Jahrhunderts eine hölzerne Palisade, welche vom Häuptling Uncas errichtet worden war. Zusammen mit mehreren Parzellen in der Stadt Montville, wird die Reservation knapp 3 qkm Fläche einnehmen. Weiterhin soll das kulturelle und soziale Stammesleben der ca. 1.100 eingeschriebenen Stammesmitglieder intensiviert werden. Um als Mohegan anerkannt zu werden, müssen die Stammesmitglieder ihre direkte Abstammung von einer Familie nachweisen, welche 1861 auf der Reservation lebte.

In ihrem Buch „Die letzten Mohikaner“ schreibt die Stammesgeschichtsschreiberin Fawcett-Sayet: „Wir werden auf unserem Heimatland überleben für viele Monde, die noch kommen. Die Fackel von morgen wird schon bald an die ‚Wolfskinder’ von heute übergeben. Sie werden enthusiastisch den Stamm der Mohegan sichern.“