Idle no more – mehr als nur eine Protestbewegung

Mitte Dezember 2012 verabschiedete das kanadische Parlament ein Gesetzespaket, welches zu einem Sturm der Entrüstung bei den Ureinwohnern und Umweltschützern führte.

Was ist der Hintergrund?

Mit dem Bill C-45 werden die Rechte der kanadischen Ureinwohner einseitig beschnitten und Umweltstandards zugunsten eines schnelleren Ressourcen-
abbaus stark eingeschränkt.
Das Gesetz sieht Kürzungen der finanziellen Mittel für die Ureinwohner durch die kanadische Regierung von bis zu 75% vor. Damit soll die Selbst-
verwaltung der indigenen Völker beschränkt werden. Hintergrund ist die Tatsache, dass sich die Indianer und auch die Inuit in der Vergangenheit hinsichtlich ihrer Landrechte mehrfach vor den Gerichten erfolgreich durch-
setzen konnten, sehr zum Ärger der Regierung in Ottawa.

Weiterhin sieht Bill C-45 vor, dass bei Erschließungen von Rohstoffen auf den anerkannten Territorien der kanadischen Ureinwohner das Genehmigungs-
verfahren vereinfacht werden soll. Die bisherigen Bestimmungen sahen vor, dass die Indianer und Inuit vor solch einer Genehmigung angehört werden mussten. Dazu hatten sie die Möglichkeit, alle relevanten Unterlagen und Informationen einzufordern. In dem neuen Gesetz ist dies nicht mehr vorgesehen. Die Regierung von Ministerpräsident Harper geht davon aus, dass man die Ureinwohner mehr oder weniger zwingen muss, ihre Gebiete für die Gewinnung von Rohstoffen zu öffnen.

Mit dem neuen Gesetz werden auch Umweltschutzbestimmungen stark beschnitten. Künftig sind nur noch 97 von insgesamt rund 32.000 Gewässern in Kanada geschützt. Ziel ist es auch hier, das Genehmigungsverfahren für große Projekte zu vereinfachen.


Idle no more-Treffen in Gallup, New Mexiko, Navajo-Reservation
(Foto: Navajo Times)

Dahinter stehen wirtschaftliche Interessen enormen Ausmaßes – ausländische Investoren sollen angelockt werden. In erster Linie geht es um den Abbau von Teersand, der zur Gewinnung von synthetischem Öl verwendet werden soll. Ein lukratives Geschäft bei den immer knapper werdenden Ölreserven auf unserem Planeten. Der Abbau findet in Tagebauweise statt. Dabei fallen giftige Abwässer an, die in künstlich angelegte Absetzbecken eingeleitet werden, die eine Gefahr für die Umwelt darstellen.

Die kanadische Regierung versucht auch hier in Europa Abnehmer für synthetisches Öl zu finden und die EU-Parlamentarier von seinen Vorzügen zu überzeugen. Insofern wäre auch Europa – zumindest mittelbar – an diesen für die Umwelt und indigenen Völker Kanadas katastrophalen Auswirkungen beteiligt.

Seit Bekanntwerden des Gesetzes regt sich der Widerstand. Durch vier Frauen aus Saskatchewan wurde die Bewegung „Idle no more“ (kein Stillstand mehr) bereits kurz vor der Verabschiedung des Bill C-45 initiiert. Ein nationaler Aktionstag am 10.12.2012 brachte auch über die Grenzen Kanadas hinaus große Aufmerksamkeit. Und so kam es auch in den USA in vielen verschiedenen Städten zu unterschiedlichen Aktionen.

Idle no more ist daher mehr als nur eine Protestbewegung. Es ist ein wachsendes Bewusstsein und ein Wiedererwachen indigenen Selbstbewusstseins zu beobachten; eine Plattform, die alle Ureinwohner Nordamerikas zusammenbringt, auch diejenigen, die sich bisher nicht sonderlich für Politik interessiert hatten.

Inzwischen hat die Protestbewegung weltweite Aufmerksamkeit und Unterstützung erlangt Auch in Deutschland hat sich eine Unterstützergruppe über Facebook organisiert. Sie veranstaltete am 13. Januar 2013 in Berlin eine Solidaritätsaktion und Demo, die vom Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor zur kanadischen Botschaft führte.


Der Demonstrationszug auf dem Weg zur kanadischen Botschaft (Foto: B. Strubel)

Bewohner der Waterhan Lake Reservation in Saskatchewan, Kanada, reihten sich mit einer Aktion am 16. Januar 2013 - kurzzeitige Straßensperren, Tipicamp - in die "Idle no more"-Bewegung ein. Das Foto unten stellte uns Norman Martell, Angehöriger der Cree-First Nation und langjähriger politischer Aktivist und guter Bekannter unseres Vereins, zur Verfügung.


Aktuelle Informationen findet man auf der Website der Bewegung: http://www.idlenomore.ca/

Zu Aktionen hier in Deutschland können sich Facebook-Nutzer hier informieren:
https://www.facebook.com/groups/400502450029253/